Quelle: Fairmieten-Fairwohnen
Veröffentlichung des Berichts "Zwischen Zugang und Ausbeutung: Die Rolle informeller Praxen auf dem Berliner Wohnungsmarkt"
Der Bericht kann hier heruntergeladen werden.
In dem Bericht werden die Ergebnisse der rund zweijährigen Erhebung zu informellen Praxen auf dem Berliner Wohnungsmarkt zusammengefasst und Vorschläge für mögliche Maßnahmen gemacht. Eine Kurzbeschreibung finden Sie im folgenden Teil:
+ + + Der Bericht in Kürze + + +
Über die letzten zwei Jahre hat die Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt mit Wohnraumberatungsstellen und Wohnungssuchenden über Zugangsbarrieren auf dem Berliner Wohnungsmarkt und informelle Praxen gesprochen, mit denen Menschen bei der Suche nach Wohnraum in Berührung kommen. Es hat sich gezeigt, dass Ausschlüsse vom Wohnungsmarkt in der Tiefe und Breite zunehmen. Für breite Schichten der Bevölkerung ist es inzwischen schwer, eine Wohnung in Berlin zu finden. Durch die zunehmende Konkurrenz um den wenigen verfügbaren bezahlbaren Wohnraum erfahren dabei gerade Menschen in ohnehin prekären Lebens- und Wohnsituationen immer weitreichendere Ausschlüsse. Mit der Wohnraumknappheit nehmen wiederum informelle Praxen auf dem Wohnungsmarkt zu. Diese reichen von informellen Untermietverhältnissen, über Scheinanmeldungen bis hin zu Vermittlungsgebühren von bis zu 18.000 Euro für eine Wohnung. Während einige der Praxen einen Zugang zu Wohnraum für marginalisierte Wohnungssuchende überhaupt erst ermöglichen, entstehen gleichermaßen Praktiken, die prekäre Lebenslagen ausnutzen und schlechte Wohnbedingungen zu einem kommodifizierbaren Gut machen.
Viele der Entwicklungen sind nicht neu. Neu ist aber ihr Ausmaß und der zunehmende Grad an Professionalisierung, der sich u. a. in der kommerziellen Vermietung von Groß-WG’s und Mehrbettzimmern zeigt. Zunehmend verschwimmen hier die Grenzen zwischen formellem und informellem Markt. So zum Beispiel zwischen der weithin akzeptierten, wenn auch ihrerseits häufig überteuerten Kurzzeitvermietung über Online-Plattformen und stärker informell organisierten Hostel-Modellen, die sich durch schlechte Wohnbedingungen und die gezielte Vermarktung an Leistungsbeziehende auszeichnen. In der Folge nimmt Prekarisierung auf dem und durch den Wohnungsmarkt weiter zu.
Besonders betroffen sind Menschen, die neu nach Berlin ziehen oder geflohen sind. Gerade für Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte überlagen sich Hürden im Zugang zu Wohnraum, die mit individuellen Bedingungen einerseits und strukturellen Herausforderungen andererseits zusammenhängen. In der Forschung werden Informalisierungstendenzen daher vor allem von der sozialwissenschaftlichen Migrations- und Wohnungsforschung betrachtet, so zum Beispiel im Rahmen der Urban Planning Sonderausgabe „Urban In/Formalities: How Arrival Infrastructure Shape Newcomers‘ Access to Resources“ (2024). Der vorliegende Bericht zeigt, dass auch der Berliner Wohnungsmarkt zunehmend von Informalisierung und Prekarisierung geprägt ist. Durch sie werden, so ein Ergebnis der Studie, Lücken im System sichtbar. Denn dort, wo das reguläre System versagt, bilden sich Möglichkeitsräume für das Informelle – mit legitimen wie illegitimen Ausprägungen.
Die Zunahme von illegitimen bzw. betrügerischen Handlungen innerhalb der Bandbreite informeller Praxen macht es wiederum notwendig, Maßnahmen zu entwickeln, um Wohnungssuchende vor Ausbeutung, Abhängigkeit und Prekarisierung zu schützen. Dies umfasst den Abbau von Hürden im Zugang zu Wohnraum, Information und Beratung zur Wohnungssuche und zu ausbeuterischen Praxen sowie Meldemöglichkeiten, um Betroffene gezielt unterstützen und das Phänomen weiter quantifizieren zu können. Dafür braucht es, wie so oft, ein ressort- und bezirksübergreifendes Denken und Handeln.
+ + + Gliederung des Berichts + + +
- Kapitel 1 – Einleitung, Anlass und Methodik
- Kapitel 2 – Stand der Forschung
- Kapitel 3 – Ausschlüsse auf dem Wohnungsmarkt
- Kapitel 4 – Informelle Praxen
- Kapitel 5 – Diskussion: Auswirkungen der Praxen
- Kapitel 6 – Maßnahmen
- Fallbeispiele
+ + + Feedback und Austausch + + +
Sie haben Fragen oder Feedback zum Bericht? Sie haben Interesse an einer Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse? Sie möchten mit uns über Maßnahmen ins Gespräch kommen? Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren!
Auf Anfrage versenden wir den Bericht ab Mitte März 2026 auch als Druckexemplar.
+++ Kontakt: +++
Charlotte Weber (sie/ihr)
Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt
Arbeitsbereich Strategie + Vernetzung



Landesseniorenbeirat Berlin


